Direkt zum Inhalt
Suche
  • Inserieren
  • eArchiv
  • Abonnieren
  • Kontakt
Français
    • Vorschau
    • Rückschau
  • Marktplatz
  • Über Bulletin.ch
Français
Themen

Energienetze

  • Fachartikel
  • Interview
  • News
  • Meinung

Produktion

  • Fachartikel
  • Interview
  • News
  • Meinung

Energiespeicherung

  • Fachartikel
  • Interview
  • News
  • Meinung

Verbrauch

  • Fachartikel
  • Interview
  • News
  • Meinung

Mobilität

  • Fachartikel
  • Interview
  • News
  • Meinung

ICT

  • Fachartikel
  • Interview
  • News
  • Meinung

Electrosuisse

  • Fachartikel
  • Interview
  • News
  • CES
  • Meinung
Electrosuisse
Fachkräfte

Die überraschenden Seiten von Electrosuisse

Der scheidende Electrosuisse-Präsident im Interview

13.04.2026  | 
Bild: Electrosuisse/Claudia Brandenberger
Dr. Dieter Reichelt, Präsident von Electrosuisse. | Bild: Electrosuisse/Claudia Brandenberger

Radomír Novotný

ist Chefredaktor des Bulletin.ch.

  • Electrosuisse
    8320 Fehraltorf
  • E-Mail

Gute vier Jahre begleitete Dieter Reichelt, Head der Division Distribution der Axpo, Electrosuisse als ­Präsident. Er blickt zurück auf diese Zeit sowie nach vorne, auf die Umgestaltung des schweizerischen Energiesystems und auf die besondere Rolle, die der Verband dabei spielen wird.

Bulletin: Herr Reichelt, Ihre Präsidialzeit bei Electrosuisse neigt sich dem Ende zu. Wie hat sich in dieser Zeit die Situation bei den EVUs entwickelt? 

Dieter Reichelt: Meine spannende Zeit als Präsident von Electrosuisse hat während der Coronazeit angefangen und geht noch bis zur nächsten Generalversammlung. In diesen vier Jahren haben sich die europäischen Strommärkte weiterentwickelt. Sie sind seit bald 30 Jahren liberalisiert. Es sind Projekte gekommen, wie das Entso-E Terre, Mari und Picasso, mit denen man neue Märkte aufgebaut hat. Ausser bei Terre steht da die Schweiz ohne Stromabkommen abseits. In der Schweiz ist der Stellenwert der Netze gestiegen. Der Blackout in Spanien und Portugal hat uns deutlich vor Augen geführt, dass die ­Physik und die technischen Grundlagen wichtig sind, sonst funktioniert das Netz nicht. Das sind auch ­Themen, die uns bei Electrosuisse beschäftigt haben.

Welche besonderen Herausforderungen mussten bei Electrosuisse in den letzten Jahren bewältigt werden? 

Wir müssen klar unterscheiden: Electrosuisse ist ein Fachverband, kein Branchenverband. Das wird immer vermischt, auch historisch, nur schon durch die Nähe, die wir früher zu den EVUs hatten. Als Fachverband geht es bei Electrosuisse um die fachlichen Grundlagen für die ganze Branche, eigentlich für die ganze Elektrotechnik. Das deckt viel mehr ab als nur die EVU-Branche. Bei uns sind ja auch Hersteller, Lieferanten, Installateure und Händler Mitglied. Hinzu kommen Einzelpersonen als persönliche Mitglieder. Wir haben ein sehr breites Spektrum an Mitgliedern, die wir mit unserem Angebot ansprechen und denen wir genügen müssen. Das unterscheidet uns von einem Branchenverband wie dem VSE, dem Verband der schweizerischen Elektrizitätsunternehmen, der die Interessen dieser Unternehmungen auch auf der politischen Ebene vertritt. Das machen wir als Electrosuisse nicht. 

Ist es dann durch diese breite Aufstellung, die die gesamte Elektrotechnik berücksichtigt, etwas ruhiger als bei anderen Verbänden, die auf politische Entwicklungen reagieren? 

Ich würde es als langfristig orientiert bezeichnen, nicht unbedingt ruhiger, denn wenn ich schaue, wie hier die Leute arbeiten, spüre ich auch, dass sie engagiert sind. Electrosuisse gibt es seit über 100 Jahren und die Normierung wird es auch in den nächsten 100 Jahren noch geben. Es braucht normative Rahmenbedingungen, damit technisch alles korrekt funktioniert. Die Ansprüche werden eher komplexer, umso wichtiger wird es, dass man auch bei den Normen und Sicherheitsvorgaben für die Hand­habung der Elektrizität Schritt hält. 

Die mit der Dekarbonisierung zusammenhängende Elektrifizierung ist eigentlich für die EVUs erfreulich, denn die verkaufte Energiemenge steigt. Für das Produkt «Strom» muss keine Werbung betrieben werden. Eigentlich eine komfortable Lage, oder?

Ich glaube, die EVUs denken ganzheitlich. Es geht nicht darum, dass man den Absatz eines Produkts maximiert, um über die Marge einen zusätzlichen Profit zu generieren. Die EVUs von heute gehen auch in andere Bereiche, zum Beispiel ins Servicegeschäft, und bieten Dienstleistungen an. Aber natürlich nimmt mit der Elektrifizierung der Stromverbrauch zu, zum Beispiel durch den Shift von konventionell betriebenen Fahrzeugen hin zu elektrischen Fahrzeugen, oder von fossil betriebenen Heizungen hin zu Wärmepumpen-Heizungen. Insgesamt spart man dabei rund zwei Drittel an Energie. Bezogen auf die einzelnen Energieträger heisst das jedoch: 100% Einsparung bei den fossilen Energieträgern und 30% mehr elektrische Energie.

Die Elektrifizierung führt auch zu Engpässen bei den Netzen, oder?

Ja, und erfordert bei Verteilnetzbetreibern Investitionen in die Infrastruktur. Bei einer Lebensdauer der einzelnen Komponenten von 40 bis 60 Jahren muss man sich gut überlegen, wie man investiert, denn Fehler haben langfristige Auswirkungen. Eine grosse Herausforderung stellt der Umbau der Netze auf die ­zukünftigen Bedürfnisse dar. Die Netze wurden ursprünglich für zentrale Kraftwerke gebaut. Heute haben wir mit der dezentralen Erzeugung und lokalen Speicherung einen Paradigmenwechsel. Das erzeugt ganz andere Bedürfnisse an das Netz. Eine weitere Herausforderung stellt der Anschluss von den Datencentern und grossen Batteriespeichern dar. Die geforderten Leistungen sind so hoch, dass die Reserven im Netz schnell schwinden. Da dürfen wir die Augen nicht verschliessen. Wir müssen unsere Netze proaktiv planen und entwickeln, so dass wir einerseits die Erzeugung aus den erneuerbaren Energien ans Netz anschliessen können können und andererseits genügend Reserven behalten, um den Energiebedarf für die Entwicklung der Wirtschaft und der Bevölkerung in den kommenden Jahren sicherzustellen. 
Wir sind als Netzbetreiber auch gefordert, mit der Bevölkerung im Gespräch zu bleiben, denn sie sind unsere Eigentümer. 80% der Netze in der Schweiz gehören direkt oder indirekt der öffentlichen Hand, sei es über Kantone oder Kommunen. Wir wollen unsere Eigentümer und damit unsere Bevölkerung für die Zukunft zufriedenstellen. 

Wird es auch Veränderungen bei der Rundsteuerung geben? Wann werden die Rundsteuerungen durch dynamische Tarife ersetzt?

Ich möchte die Frage entkoppeln. Die Rundsteuerung ist für mich eine Technik aus den 1960er-Jahren. Sie funktioniert zwar sehr robust, ist aber in der Bandbreite stark begrenzt. Mit drei Kanälen können gerade einmal acht Signale gesendet werden. Die Technik ist überholt und wird abgelöst. Aber nicht nur durch dynamische Tarife, sondern auch durch Smart Meter oder andere Geräte, mit denen sich Verbraucher im Netz steuern lassen.
Dynamische Tarife gehen für mich weiter als nur die Ablösung der Rundsteuerung, denn mit ihnen lässt sich das Verhalten der Verbraucher und der Netzkunden beeinflussen. Sie werden uns helfen, das Netz zu optimieren. Zudem kann mit aktiven Elementen wie Batterien das Netz entlastet ­werden.

Wann dürfen wir mit dieser Ablösung rechnen? Ist das ein kontinuierlicher Prozess in den nächsten zehn Jahren? 

Der Prozess fängt jetzt schon an. Aber ich glaube, der Prozess wird uns länger begleiten, bis das ganze Potenzial sichtbar wird. 

Welche Rolle spielt Electrosuisse in dieser Phase der Umstellung des Energiesystems? 

Aus meiner Sicht eigentlich zwei Rollen. Einerseits durch die Übernahme der grundsätzlichen Normen, die im europäischen und internationalen Umfeld gemacht werden, damit wir «elektrisch» dazugehören, mit den entsprechenden Anpassungen an die schweizerischen Gegebenheiten. Andererseits bezüglich der Sicherheit. Dazu gehören die Aktivitäten, die heute dem ESTI zugeordnet sind. Da geht es um die Sicherheit des Stroms, um Geräteprüfungen und Zulassungen. Der Auftrag an Electrosuisse, das ESTI zu leiten, ist für mich eine typisch schweizerische und pragmatische Lösung, die es uns ermöglicht, ­Synergien bezüglich des Know-hows zu nutzen. Gleichzeitig muss sichergestellt sein, dass das ESTI seinen Auftrag unabhängig durchführen kann und die hoheitlichen Aspekte klar von den übrigen Tätigkeiten getrennt sind. Aber unter dem Strich können wir die Aufgaben schlank und effizient ausführen. Das sind für mich typisch schweizerische Lösungen, die man bewahren sollte, selbst wenn ein Stromabkommen mit anderen Vorgaben kommt. Denn davon profitiert auch die kommende Generation. 

Ein anderes Thema ist die Informationsvermittlung durch Medien. Wie verändert sich das Nutzerverhalten und wie reagiert Electrosuisse darauf?

Fangen wir bei den Publikationen an. Als Beispiel geht mir das «Electra» durch den Kopf, das wir neu eingeführt haben, eine Publikation für Fachleute, die eine sehr tolle Resonanz findet. Ich habe mehrfach aus meinem privaten Umfeld sehr positive Kommentare erhalten. Das «Electra» wird geschätzt. Die Printmedien kommen grundsätzlich gut an. Und weitere Kanäle haben wir mit den elektronischen und digitalen Medien. Wir sind auf diesen Kanälen präsent und gut positioniert. 

Zur Zukunft: Welche Meilensteine sehen Sie für Electrosuisse in den nächsten Jahren? Etwas Revolutionäres? 

Wir sind ein Verein, den es seit mehr als 100 Jahren gibt. Das Ziel sollte sein, dass es uns weitere 100 ­Jahre gibt und dass wir in dieser Zeit unseren Mitgliedern den benötigten Service und einen Mehrwert bieten können. Bei dieser Zielsetzung würde ich nicht eine Revolution mit grossen Umbrüchen anstreben, sondern eher eine Evolution, eine kontinuierliche Entwicklung. Man soll auf neue Ansprüche reagieren, beispielsweise bei den digitalen Kanälen. Aber wir müssen keine neuen erfinden, sondern die bestehenden gut nutzen. Das ist der richtige Weg.

Was wird Ihnen aus Ihrer Zeit als Präsident von Electrosuisse besonders in Erinnerung bleiben? 

Was mir immer Freude gemacht hat, waren die Kontakte mit den Mitarbeitenden. Ich habe gross­artige Leute getroffen, die Experten auf ihrem Gebiet sind und sich mit Herzblut in ihrer Tätigkeit engagieren. Das hat mich beeindruckt. So konnte ich auch den Wechsel in der Geschäftsleitung aktiv begleiten. Es freut mich ausserordentlich, dass wir mit Björn Avak einen internen Kandidaten für dieses Amt auswählen konnten. 
Der zweite Punkt, der mir in Erinnerung bleiben wird, ist die Vielfalt der Tätigkeiten innerhalb von Electrosuisse. Ich habe erst als Präsident realisiert, wie vielfältig die Organisation ist. Diese Vielfalt hat mich positiv überrascht. Hier sehe ich ein grosses Potenzial für die Zukunft.

Welche Tipps haben Sie für Ihre Nachfolger? 

Ich kann eine stabile, gut geführte und finanziell gesunde Organisation in neue Hände legen. Mit Daniel Schafer konnten wir eine überzeugende Persönlichkeit mit grosser Erfahrung für dieses Amt gewinnen. Wenn ich dem neuen Team etwas mitgeben sollte, dann die Aufforderung, immer dranzubleiben. In guten Zeiten darf man sich nicht zurücklehnen und den Dingen ihren Lauf lassen. Aber Electrosuisse ist leistungsfähig und wird neue Lösungen entwickeln. Man darf auch mal einen alten Zopf abschneiden und neue Wege beschreiten. Und den Mut haben, etwas auszuprobieren. 
 

Downloads

  • 2026_3_Interview_Dieter_Reichelt_Die_ueberraschenden_Seiten_von_Electrosuisse.pdf (PDF)
  • 2026_3_Intervista_Dieter_Reichelt_I_lati_sorprendenti_di_Electrosuisse.pdf (PDF)
Anzeige
Veranstaltungen
Fachtagung Kleinwasserkraft
22. Mai 2026 – Thun
Fachtagung Netzanschluss
2. Juni 2026 – Burgdorf und online
Ladeinfrastruktur im Unternehmen realisieren
2. Juni 2026 – Online-Webinar
Powertage
16. bis 18. Juni 2026 – Zürich
Fachtreffen Flotte elektrifizieren
5. Mai 2026 – Online-Webinar
Advertorials
  • Datenschutz
  • Impressum
Suche
Themen
Fachartikel Interview News Meinung Alle sehen
Fachartikel Interview News Meinung Alle sehen
Fachartikel Interview News Meinung Alle sehen
Fachartikel Interview News Meinung Alle sehen
Fachartikel Interview News Meinung Alle sehen
Fachartikel Interview News Meinung Alle sehen
Fachartikel Interview News CES Meinung Alle sehen
Vorschau Rückschau Alle sehen
Marktplatz
Über Bulletin.ch
Inserieren eArchiv Abonnieren Kontakt
Français