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Buch
K_2202_Buecher_Bild_1
25.01.2022  | 

Automatisierung und die Zukunft der Arbeit

Edition Suhrkamp 2770

Die Frage, ob die Automatisierung im industriellen Bereich eher Arbeitsplätze schafft oder vernichtet, ist zwar hochaktuell, aber nicht neu, wie Aaron Benanav in diesem Taschenbuch aufzeigt. Man erhält hier nicht nur eine treffende Analyse der heutigen globalen Situation, sondern auch der historischen Entwicklungen – hauptsächlich des zwanzigsten Jahrhunderts – und der durch sie inspirierten Ideologien. Basierend auf dieser Übersicht wird die zentrale Frage des Buchs beantwortet, ob Technologien wie Robotik, künstliche Intelligenz oder maschinelles Lernen bereits heute die Arbeitsmarktsituation so verändern, dass eine wachsende Anzahl von Menschen dauerhaft arbeitslos wird. Es geht hier also nicht primär um künftige Entwicklungen, denn bei diesen ist dem Verfasser klar, dass da Technologien Arbeitsplätze vernichten werden.

Wie ein roter Faden zieht sich die Widerlegung der Automatisierungstheoretiker durch das Buch, die den Jobabbau in der Industrie fast exklusiv auf die Automatisierung zurückführen. Überzeugend wird aufgezeigt, dass erst eine differenzierte Betrachtung der Situation gerecht wird. Die früheren Deindustrialisierungswellen hingen nämlich nicht primär von technologischen Entwicklungen ab, sondern von Überkapazitäten auf dem Weltmarkt. Unternehmen, die ihren Automatisierungsgrad steigerten, indem sie in innovative Ansätze wie Industrie 4.0 investierten, konnten sich Vorteile verschaffen, die bei ihnen einem Stellenabbau entgegenwirkten. Dieser fand dann bei der Konkurrenz statt, die sich die Investitionen nicht leisten und ihre Produktionskosten nicht entsprechend senken konnte. Punktuell kann die Automatisierung also zur Sicherung von Arbeitsplätzen beitragen. Die grosse Herausforderung ist dabei die Sättigung des Marktes, die das Wirtschaftswachstum bremst.

Abgeschlossen wird das Buch mit möglichen Ansätzen, wie man künftig sicherstellen kann, dass kein Mangel herrscht. Einem berechtigt kritischen Blick auf den Keynesianismus und auf Varianten des bedingungslosen Grundeinkommens wird eine eigene Vision einer demokratischen Gesellschaft jenseits des Mangels vorgestellt, die mit einer freiwilligen Mitwirkung an den anfallenden Aufgaben operieren soll – ohne Drohungen, sondern mit Einladungen zur Kooperation. Ob dieses positive Menschenbild erfolgreich umsetzbar wäre, sei dahingestellt. Lobenswert ist, dass in dieser Vision die Menschen mit ihren Neigungen und Talenten im Fokus stehen, statt der technische Fortschritt.

Aaron Benanav, Suhrkamp Verlag, Taschenbuch, 195 Seiten,
ISBN 978-3-5181-2770-4, CHF 20.–.

Radomír Novotný

ist Chefredaktor des Bulletin.ch.

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