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Meinung
Stefan Hatt
Stefan Hatt

ist Präsident des Expert Board ETIT von Electrosuisse und Senior Manager bei Consenec AG.

  • Consenec AG
    5405 Dättwil
  • email
27.02.2023  | 

Starke Netze – niedrige Strompreise

Das vergangene Jahr war von Verwerfungen am europäischen Strommarkt geprägt. So explodierten die Preise förmlich auf ein historisches Maximum, um sich dann ein wenig zu erholen – wobei sie künftig kaum noch stabil sein werden. Wir werden also in der Zukunft mit hohen Preisen und Instabilitäten leben müssen. Was heisst das nun für die Schweiz? Abkoppeln vom europäischen Netz?

Unter den gegebenen geografischen, klimatischen und regulatorischen Bedingungen ist eine Strom-Autarkie für die Schweiz wirtschaftlich nicht vertretbar. Dies sollte auch keinesfalls das Ziel sein, denn gemeinsam mit Europa betriebene Infrastrukturen sind kostengünstiger und zuverlässiger. Oberstes Ziel sollte die Modernisierung und der Ausbau des Stromnetzes auf allen Spannungsebenen sein. Dies wurde in den letzten Jahrzehnten ein wenig vernachlässigt bzw. durch Einsprachen verzögert.

Wir brauchen aber auch solide Verbindungen zum Ausland: Mehr Anknüpfungspunkte ans europäische Stromnetz und technische Massnahmen wie flexible Wechselstromübertragungssysteme (FACTS) oder Phasenschieber. Und schliesslich die Teilnahme am europäischen «Flow Based Market Coupling»-Modell – also regulatorische Massnahmen.

Die Lösung wird also in einer Kombination von heimischer Mehrproduktion und einem mit Handelsabkommen gestützten Import/Export zu finden sein. Alle diese Veränderungen brauchen ein Netz, das intelligenter, stabiler und grüner ist. Intelligenter, um multidirektionale Lastflüsse und schwankende Einspeisungen zu beherrschen. Stabiler durch eine engere Vermaschung des Verteilnetzes, gekoppelt mit lokalen Energiespeichern. Und grüner durch einen reduzierten CO2-Fussabdruck, beispielsweise durch SF6-freie Netzkomponenten.

Ziel muss sein, dass wir durch diese Investitionen unsere Handels- und Handlungsoptionen erweitern. Also einheimische Wasserkraftwerke in den Alpen, gekoppelt mit stabilem und ebenso grünem Windstrom aus Offshore-Windanlagen in der Nordsee. Und – wer weiss? – einem Liefervertrag aus einem neuen AKW in Frankreich.

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