Haushalt-Stromverbrauch gesunken
Vergleich von 2017 mit 2011
Elektrogeräte und Lampen sind in den letzten Jahren immer effizienter geworden. Da jeder Haushalt nach und nach seine Geräte und Lampen ersetzen muss, hat die höhere Effizienz auch eine Verminderung des Haushalt-Stromverbrauchs bewirkt, trotz der Zunahme an Geräten. Eine Analyse vergleicht den typischen Haushalt-Stromverbrauch von 2017 mit jenem von 2011.
Das Bundesamt für Energie BFE hat Ende November 2018 ein Faktenblatt und eine Studie zum Stromverbrauch bzw. zur Energieeffizienzanalyse von Elektrogeräten veröffentlicht.[1, 2] Die Entwicklung des Geräte-Stromverbrauchs seit 2002 wurde analysiert und dargestellt, gesamthaft und teilweise pro Gerät. Die Auswirkungen dieser Veränderungen auf den typischen Haushalt-Stromverbrauch werden hier vorgestellt, insbesondere im Vergleich mit der Analyse von 2013 [3, 4], basierend auf der VSE-Erhebung 2011 [5].
Neben den Daten der BFE-Studie wurden eigene Analysen anhand von Topten-Daten (www.topten.ch, Bestgeräte) sowie der von Topten und FEA veröffentlichten Daten zur Entwicklung der Verkäufe nach Effizienzklassen (Energie-Etikette) berücksichtigt.[2, 6]
Für die vorliegende Studie wurde die gleiche Methode wie 2013 zur Bestimmung des «typischen Haushalt-Stromverbrauchs» angewandt: Ausgehend von einer Wertebasis für den Stromverbrauch der einzelnen Geräte (Standardnutzungen) wurde ein konsistentes Wertegerüst für den Verbrauch in den verschiedenen Haushalt-Kategorien (MFH-, EFH, Personenzahl) erstellt, welches u. a. auf dem jeweiligen zusätzlichen Stromverbrauch pro Person basiert. Detaillierte Analysen von Haushalt-Daten wie 2013 sind nicht möglich, da keine derartige Haushalt-Erhebung mehr durchgeführt wurde. Deshalb wurde mit einfachen Mitteln versucht, die damalige Methode unter Berücksichtigung der 2018 vom BFE veröffentlichten Daten weiterzuführen.
Die Zusammenstellung der neuen Daten zeigt, dass der typische Haushalt-Stromverbrauch zwischen 2011 und 2017 bei MFH-Wohnungen um rund 16%, bei EFH um rund 22,5% abgenommen hat, leicht unterschiedlich je nach Haushaltgrösse (Bilder 1 und 2). Beide Haushalt-Typen wurden ohne (elektrisch) Warmwasser, aber mit Geschirrspüler, EFH zusätzlich mit separatem Gefriergerät gerechnet. Bei MFH wurde der «Allgemeinstrom» 2017 mit einem festen Wert von 300 kWh angenommen (2011 mit 400 kWh).
Der seit einiger Zeit vermutete Rückgang des Haushalt-Stromverbrauchs ist damit offensichtlich geworden. Die energiepolitischen Massnahmen (Mindestanforderungen, Energie-Etikette, Förderprogramme) sind also erfolgreich. Sie sollten weiterhin gepflegt und optimiert werden. Die technische Entwicklung wird weitere Effizienzverbesserungen bringen.
Was sind die häufigsten, was «typische» Haushalte?
Gemäss dem Bundesamt für Statistik (BFS, [8]) leben in 35% aller 3,7 Mio. Haushalte nur eine Person, in 33% zwei, in je 13% 3 und 4 Personen. In den restlichen 6% Haushalten leben 5 und mehr Personen. Trotzdem wird nach wie vor oft ein 4-Personenhaushalt als typischer Haushalt angenommen (z. B. Stromerzeugung einer neuen Anlage für x-Tausend Haushalte). Daneben wird aber auch der 2-Personenhaushalt als häufig bzw. typisch empfunden.
Stromverbrauchsanteile nach Anwendung
Die Stromverbrauchsanteile nach Anwendungen weisen gegenüber jenen mit 2011er-Daten keine markanten Veränderungen auf. Nach wie vor gibt es bei der verwendeten Kategorisierung keine «Killer-Anwendung», welche den Gesamtverbrauch allein massgebend beeinflussen würde. Die auffälligsten Veränderungen sind die starke Verminderung des Beleuchtungs- und Allgemeinstrom-Anteils (Bild 3).
Bemerkungen zu den Daten der BFE-Studie
Die Bilder 4 und 5 «Durchschnittlicher Verbrauch je Gerät pro Jahr» [1, 2] können nur sehr beschränkt als Grundlage für unsere Daten des typischen Haushaltstromverbrauchs dienen. Diese Werte wurden aus dem berechneten Gesamtverbrauch und den jeweiligen (Gesamt-) Bestandeszahlen ermittelt. In manchen Fällen stimmt der resultierende Gerätetyp nicht mit jenem im typischen Haushalt überein oder ist unklar; z. B. sind bei Waschmaschinen EFH-/Wohnungs-Geräte energetisch anders zu gewichten als Gemeinschafts-Geräte in MFH. Bei den elektronischen Geräten (Bild 5) sind auch gewerbliche Anwendungen enthalten.
Zu beachten ist ferner, dass die BFE-Grafiken Markt-Gerätedaten von 2002 (bzw. 2000) und 2017 darstellen, während unsere typischen Haushalte von 2011 und 2017 jeweils eine Geräte-Population enthalten (mittleres Gerätealter je nach Typ 2 bis 6 Jahre). Bei vielen Geräten wurde die Effizienz vor allem nach ca. 2010 stark verbessert, womit die grössten Veränderungen tatsächlich im Zeitraum 2011 bis 2017 stattgefunden haben.
Entwicklungen, die den Haushaltstromverbrauch erhöhen
Der immer wieder erwähnte «Rebound»-Effekt dürfte im typischen Haushalt nur begrenzt wirken. Vor allem bei der Beleuchtung könnte mit den viel effizienteren LED in gewissem Ausmass «mehr Licht» eingesetzt werden und auch weniger konsequent ausgeschaltet werden. Bei anderen Anwendungen dürfte dieser Effekt kaum ins Gewicht fallen.
Stromverbrauchs-Erhöhungen durch neue Anwendungskategorien sind klar zu erwarten, werden aber – wie bisher – im Modell des typischen Haushaltstromverbrauchs nicht berücksichtigt, weil nicht in jedem bzw. erst recht nicht im typischen Haushalt präsent: Wärmepumpenheizung, Elektromobilität. E-Bikes könnten allerdings bald typisch werden, wobei die Akku-Aufladung bisher oft nicht über den Haushalt-Stromzähler erfolgt. Selbst ein regelmässig genutztes E-Bike wird jedoch selten mehr als 100 kWh/Jahr benötigen.
Selbstverständlich macht sich im gesamten (schweizerischen) Stromverbrauch der Haushalte die zunehmende Anzahl Haushalte bemerkbar. In den letzten Jahren überwogen aber die Effizienzgewinne diese Zunahme. Beim typischen Haushaltstromverbrauch ist natürlich der Anzahl-Effekt nicht wirksam.
Ausblick
Seit etwa zehn Jahren nimmt der Stromverbrauch der Schweizer Haushalte ab, sowohl pro typischen Haushalt als auch – trotz steigender Anzahl Haushalte – gesamthaft. Wie oben beschrieben, sind noch beträchtliche Effizienzpotenziale auszuschöpfen; zudem werden sich einige Effizienz-Effekte erst nach und nach stärker im typischen Haushalt-Stromverbrauch niederschlagen, weil die Geräte erst nach Ablauf ihrer Lebensdauer ersetzt werden. In den nächsten Jahren wird deshalb der typische Verbrauch wahrscheinlich weiter abnehmen und möglicherweise auch der Gesamtverbrauch aller Haushalte. Dazu ist anzumerken, dass Resultate von Selbst-Tests (www.energybox.ch o.ä.) wie auch erfragte Verbrauchsdaten zeigen, dass sehr energiebewusste Haushalte auch bei umfassender Geräteausstattung mit weniger als der Hälfte des typischen Haushalt-Stromverbrauchs auskommen.
Die nach wie vor grossen Effizienzpotenziale bei Haushalten und gewerblichen Geräten sollen durch Weiterführung und Optimierung der erfolgreichen energiepolitischen Massnahmen (Mindestanforderungen, Energie-Etikette, Förderprogramme) und durch stete Öffentlichkeitsarbeit ausgeschöpft werden. Die Realisierung dieser Effizienzpotenziale wird umso wichtiger, als zukünftig weitere bedeutende und notwendige Stromverbraucher – vor allem Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge – zu versorgen sind.