Den Ausbau beschleunigen
Nationale Windenergietagung – 25. August 2026
Mit aktuell 50 Windanlagen hinkt die Schweiz den europäischen Nachbarländern und den Ausbauplänen des Bundes in Sachen Windkraft deutlich hinterher. Welche Möglichkeiten es gibt, dies zu ändern, und welche Herausforderungen dabei noch zu meistern sind, wurde an der Windenergietagung in Bern diskutiert.
Nach den Begrüssungsworten der Präsidentin von Suisse Eole, Isabelle Chevalley, eröffnete Benoît Revaz die Tagung. Beim BFE-Direktor ging es um Grundsätzliches: Er betonte, dass eine robuste und diversifizierte Stromproduktion einen Beitrag zur Sicherheitspolitik leistet: «Jede eigene generierte kWh erhöht die Resilienz.» Dies sei besonders in geopolitisch unsicheren Zeiten wichtig. Und da die einheimische Stromerzeugung auch eine strategische Investition in die Sicherheit des Landes ist, muss sie sogar dann ausgebaut werden, wenn das Stromabkommen mit der EU zustande kommt – zur Ergänzung und Absicherung. Trotz aller Fortschritte bleibt dabei nach wie vor ein Thema zentral: die Akzeptanz. Zielkonflikte müssen deshalb in einem offenen Dialog angesprochen werden. Sein Fazit: Die Windenergie ist eine Gemeinschaftsaufgabe.
Dann ging Lionel Perret, Geschäftsleiter von Suisse Eole, auf die konkrete Situation ein: Er wies auf die grosse Beschleunigung im Ausbau der Windkraft global hin. Auch in Europa, wo die kumulierte Leistung nun 304 GW beträgt, wurden im letzten Jahr 19,1 GW installiert – ein historischer Rekord. In der Schweiz ist die Pipeline der Projekte bereits fünfzehnmal grösser als der bestehende Park. Auch Repowering ist ein Thema, das umgesetzt werden kann, wie in Diegenstal LU gezeigt wurde. Dort wird dank dem Einsatz von drei statt zwei Rotorblättern mehr als der doppelte Energieertrag erreicht – bei geringerer installierter Leistung. Neue Projekte rundeten seinen Vortrag ab. Die Projekte von Sur Grati im Waadtland mit sechs Anlagen und 18 MW sowie die zwei Anlagen im Walliser Charrat mit 11 MW werden zurzeit gebaut. Anschliessend präsentierte Serge Boschung Zahlen von Windmessungen im Kanton Freiburg, die mit sieben im Kanton verteilten Messmasten generiert wurden, um Produktionsschätzungen für typische Windturbinen machen zu können.
Marius Schwarz von Axpo ging auf die Resultate eines Energieberichts ein: Jede Stromerzeugungstechnologie kann die Winterproduktion substanziell erhöhen, jede hat aber auch ihre spezifischen Nachteile. Er schlug konkrete Handlungsempfehlungen für die Stärkung der Windenergie in der Schweiz vor: die konsequente Umsetzung des Beschleunigungserlasses auf kantonaler Ebene, das Ausweisen weiterer Eignungsgebiete und die Stärkung der gesamtschweizerischen Sicht.
Die politische Situation der Windenergie stand im Vortrag des Suisse-Eole-Vizepräsidenten Olivier Waldvogel im Zentrum. Die politischen Meilensteine waren der Windexpress als erste bundesparlamentarische Antwort auf die langen Beschwerdeverfahren, das Stromgesetz, das Zwischenziel von 2,3 TWh Windenergie bis zum Jahr 2030 sowie der Beschleunigungserlass, der ohne Referendum in Kraft getreten ist, damit die Windkraft schneller bewilligt werden kann. Die neuen Rahmenbedingungen bringen zwar Schwung in die Windenergie, aber man wird nicht an den zwei Verhinderungsinitiativen – der Waldschutz-Initiative (Technologieverbot) und der Gemeindeschutz-Initiative (jede Gemeinde kann einzeln blockieren) – vorbeikommen. Die entsprechenden Abstimmungen sind für 2028 vorgesehen.
Einen Abstecher nach Frankreich ermöglichte Laurent Kientzel von ERG, der die Erneuerung des Windparks in Lomont, nahe der Schweizer Grenze, erläuterte. Fünf Windanlagen werden dort ersetzt und auf 180 m erhöht, was die Leistung von 2 MW auf 4,5 MW steigert. Erfreulich, dass sich nicht nur bei neuen Projekten etwas tut.