Auf geopolitische Krisen reagieren
2nd Swiss Semiconductor Day – 18. März 2026
Das Interesse am Thema war enorm am zweiten Halbleitertag, den Swissmem zusammen mit dem CSEM in Neuenburg durchgeführt hat. Einer der Gründe dafür dürfte die erste Session gewesen sein, die den geopolitischen Herausforderungen für die Halbleiterindustrie gewidmet war.
Zum Auftakt erläuterte Seraina Frost vom Seco die diplomatischen Aktivitäten, mit denen globale Lieferketten sichergestellt werden sollen. Sie ging auf das multilaterale Wassenaar-Arrangement ein, das Transparenz beim Transfer zivil und militärisch nutzbarer Güter wie Halbleiter-Chips fördert.
Ivan Zaccagnini vom ETH Center for Security Studies, zeigte auf, wie man die globalen Lieferketten bei wachsenden geopolitischen Spannungen aufrechterhalten kann. Europa könne in dieser Situation relevant bleiben, indem es sich in spezifischen Bereichen unersetzlich macht.
Thomas Rothacher von Armasuisse identifizierte einen Trend für die Halbleiterindustrie: den Militärsektor. Durch die Europa immer näher kommenden militärischen Konflikte wird die Entwicklung von Innovationen vor allem in der Ukraine drastisch beschleunigt, hauptsächlich auf der Software- und Systemebene, künftig aber auch bei der Hardware. Um die Legacy-Probleme der Schweizer Armee zu lösen, sollten Halbleiterkomponenten für einen Ersatz lange verfügbar sein. Zudem muss das entsprechende Know-how gefördert werden: Reverse Engineering, Emulationen und Chip Design. Auch programmierbare und rekonfigurierbare Architekturen gehören dazu.
Am Event wurden auch Hardware-Lösungen vorgestellt, wie der AI-Chip von Cerebras, der die Antwortzeit massiv verkürzt, indem Millionen von Cores auf einem wafergrossen Chip untergebracht werden. Zudem wurde die Entwicklung von Sensorchips bei Sensirion erläutert, inklusive der neuen Ausrichtung, nicht nur Sensoren, sondern ganze Lösungen anzubieten. Denn Chips allein werden in Kürze von der Konkurrenz kopiert.
Der Tag machte klar, dass es in der Schweiz wichtige Entwicklungen im Halbleiterbereich gibt und gleichzeitig, dass die globale Situation stets beobachtet werden muss, um gewisse Alleinstellungsmerkmale nicht zu verlieren.