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Buch
K_2606_Buecher_Bild_1.jpg
01.09.2026

AI TO EYE

Between Code and Conscience

Robert Riener (Hrsg.), VDF Hochschulverlag, kartoniert, 138 Seiten, ISBN 978-3-7281-4228-3, CHF 35.–

Schürte die künstliche Intelligenz früher Ängste, sie könne sich im Extremfall selbstständig machen und die Menschheit bedrohen, so ist heute klar, dass sie zwar sehr leistungsstark und nicht ungefährlich ist, aber dass ihrem Wirkungskreis Grenzen gesetzt sind. Sie hat sich zu einer Technologie entwickelt, die im Berufsleben und Studium mit Texten und Daten einiges erleichtert, mit Deepfakes verunsichert und kreative Prozesse wie Grafikarbeiten und das Programmieren beschleunigt. Diese Essaysammlung schildert die vielseitigen Beziehungen der KI mit der Gesellschaft. 

Die 14 manchmal längeren, öfters auch kürzeren Aufsätze – jeweils abgerundet mit thematisch gruppierten Expertenzitaten – gehen auf Themenkreise wie die Geschichte der KI ein, auf die Chancen für das Gesundheitswesen, die Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt und in der Kunst- und Musikwelt, die Frage nach den Risiken und Möglichkeiten. Auch die Themen Verantwortung und Privatsphäre, ethische Aspekte, geistiges Eigentum und die Zukunft des Journalismus werden angeschnitten. Spannend ist unter anderem das Einstiegskapitel, das die Geschichte der KI kurz umreisst, mit Hinweisen auf Geschichten mit künstlichem Leben, wie dem Prager Golem, und den wissenschaftlichen Anfang der KI im Jahre 1955, als die ersten Digitalrechner John McCarty dazu inspirierten, den Begriff «artificial intelligence» einzuführen und zu folgern, dass jeder Aspekt des Lernens oder jede Eigenschaft von Intelligenz im Prinzip so genau beschrieben werden können, dass sie sich durch Maschinen simulieren lassen. 

Ohne auf die gesellschaftlich ebenfalls relevanten Nachhaltigkeitsfragen (Energie- und Rohstoffverbrauch) einzugehen, wirft das Buch einen abwechslungsreichen Blick auf einige aus gesellschaftlicher Sicht zentrale Aspekte und Themen. Eine willkommene Einladung, der künstlichen Intelligenz gemäss dem Buchtitel «AI to eye» tiefer ins Auge zu schauen. Denn nur durch die kritische Auseinandersetzung mit realen KI-Anwendungen lernt man, ihre Stärken zu schätzen und ihre Schwächen zu kennen, um sie bei Bedarf als Werkzeug sinnvoll einsetzen zu können.

Radomír Novotný

ist Chefredaktor des Bulletin.ch.

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