Mehr als ein Schlagwort
Smart Energy, ein strategischer Imperativ für die Energiewende
Der Begriff «Smart Energy» wird oft als Modewort abgetan – dabei ist er berechtigt und zentral für die Energiezukunft, denn die Herausforderungen im Stromnetz wachsen: Auf Höchstspannungsebene sorgt der europäische Stromhandel für steigende Stromflüsse. Gleichzeitig nehmen auf den unteren Netzebenen die Belastungen durch schwankenden Verbrauch und volatile Einspeisung aus erneuerbaren Energien zu. Immer häufiger kommen die Verteilnetze an ihre Belastungsgrenze.
Um diese Herausforderungen zu meistern, wäre ein flächendeckender Netzausbau zwar technisch machbar, er ist jedoch mit hohen Kosten verbunden. Eine wirtschaftlich sinnvolle Ergänzung ist der Einsatz intelligenter Systeme, die auf Messung, Steuerung und Prognose setzen. Smart Meter liefern künftig grosse Datenmengen, die mittels moderner Analysetools und Künstlicher Intelligenz (KI) ausgewertet werden können – für genauere Vorhersagen und eine optimierte Netzbewirtschaftung.
Ein weiterer Schlüssel liegt in der besseren Steuerbarkeit der Netze: Flexible Wechselstromübertragungssysteme (FACTS) und Phasenschieber erlauben gezielte Eingriffe in die Leistungsflüsse. Genaue Messungen der Leitungsbelastung ermöglichen es, Engpässe gezielt zu erkennen, damit das Netz genau dort ausgebaut werden kann, wo es wirklich notwendig ist.
Ziel muss eine umfassende Modernisierung des Stromnetzes auf allen Spannungsebenen sein. Investitionen in digitale Intelligenz, Flexibilität und Massnahmen zur Erhöhung der Cybersicherheit schaffen Versorgungssicherheit und erweitern die Handlungsoptionen – etwa durch die Kombination alpiner Wasserkraft mit verlässlichen Stromimporten, beispielsweise aus neuen Kernkraftwerken in Frankreich.
Smart Energy ist somit für die Energiewende kein leeres Schlagwort – sondern als vernetzte Intelligenz für ein belastbares Stromnetz ein strategischer Imperativ.
Kommentare